Kolping-Familientag: Kinder fordern "Vorfahrt für Familie!"

Fri Sep 16 08:00:00 CEST 2016
"Das ist einfach Mega!", meinte die zwölfjährige Charlotte. Das hohe Lob galt dem bunten Programm, das der Diözesanverband Köln am 10. September auf dem Kolping-Familientag rund um St. Lambertus auf die Beine gestellt hatte. Es bestand aus lauter Highlights: Kinder und Jugendliche besprühten mit Spraydosen ein Schrottauto, wagten sich auf den Slackline-Parcour, kletterten die Kletterwand hinauf oder bauten eine Leonardo-Brücke. Das große Kolping-Netzwerk zeigte sich: Beim Familienbund der Katholiken konnte man "Rente sich wer kann" spielen, der Kinderhospizdienst malte Kindern Glitzer-Tattoos auf die Arme und die Kolping-Workcamps machten Lust auf weltweiten Austausch.

Politiker bekennen Farbe

Doch der Kolping-Familientag sollte nicht nur Spaß machen, sondern ein deutliches Signal an die Politik senden. Yvonne Willicks moderierte den Polit-Talk, in dem die Bedürfnisse von Familien zur Sprache kamen. Zum Beispiel: Wie finden Familien bezahlbaren Wohnraum? - Eine Perspektive bieten generationenübergreifende Wohnprojekte, wie sie Martine Richli vom Verein Wohnen mit Kindern e.V. und Lis Arntraud Dieterich vom Verein AGIL vorstellten. „Das sind tolle Projekte!“, stimmte Oberbürgermeister Thomas Geisel zu. „Aber damit lösen wir nicht das Problem, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen – bei 10.000 Neubürgern im letzten Jahr. Bauen, bauen, bauen – das ist das Gebot der Stunde in Düsseldorf!“, meinte Geisel.

Miriam Koch, die Flüchtlingsbeauftragte zeigte sich zufrieden, dass man alle geflüchteten Menschen menschenwürdig unterbringen konnte. Die Herausforderung sei in Düsseldorf besonders groß gewesen, weil man keinen Wohnungsleerstand habe. Trotzdem musste man nur in Ausnahmefällen auf die Unterbringung in Turnhallen zurückgreifen.

"Wir arbeiten daran mit Volldampf!"

„In Düsseldorf fehlen 2000 Kitaplätze, es fällt jede Menge Unterricht aus – und die Bundespolitik wälzt erst alles auf die Kommunen ab und dann auf die Familien! Was tun Sie denn konkret für Familien?“, fragte Yvonne Willicks die beiden Politikern Karl Schiewerling (MdB CDU) und Marco Schmitz vom CDU Ortsverband Düsseldorf. Karl Schiewerling betonte, dass der Bund den Bau von Kitaplätzen unterstützt und sogar einen Teil der Personalkosten aus Bundesmitteln übernehme. „Und wann gibt es flexible Kinderbetreuung, auf die gerade die alleinerziehende Verkäuferin angewiesen ist? “, hakte Yvonne Willicks nach. „In jedem Jobcenter gibt es einen eigenen Bereich für allein erziehende Frauen. Dass es mehr Flexibilität gibt – daran arbeiten wir mit Volldampf!“, versicherte Schiewerling.

Nagelprobe für Thomas Geisel

Zum Schluss stieg Oberbürgermeister Thomas Geisel auf ein Nagelbrett. Kinderreporter Brady aus dem „Projekt Blumenberg“ der Kolpingjugend in Köln fragte ihn: „Was tun Sie, damit Kinder aus armen Familien besser gefördert werden?“ Thomas Geisel sagte, dass jedes Kind einen Platz in der Kita bekommen müsse, denn das sei die einzige klassenlose Gesellschaft. Außerdem wolle er besonders Schulen in sozialen Brennpunkten finanziell besser ausstatten. – Kinderreporter Brady war mit dieser Antwort zufrieden und ließ den OB vom Nagelbrett absteigen. Mit lauten, fröhlichen Tanzeinlagen sorgten die Kinder vom „Projekt Blumenberg“ für tolle Stimmung während des Polit-Talks und begeisterten damit Kolpinger und Gäste.

Währenddessen versammelten sich immer mehr neugierige Spaziergänger an Hüpfburg, Slackline und Kletterwand. Am „Düsseldorfer Radschläger“ in Kolping-Orange konnte jeder seinen persönlichen Fingerabdruck hinterlassen. Mit drei Turmbesteigungen konnte man seinen Blick weiten, das „Geistliche Zentrum“ stand den ganzen Tag offen und im Pfarrsaal wurde in „Denkräumen“ weiter über Wohnformen im Alter diskutiert. Diözesansekretärin Katja Joussen war begeistert von ihrem „Orga-Team“: „Unsere Düsseldorfer Kolpinger haben einen unglaublichen Einsatz gezeigt! Wir haben hier gemeinsam ein tolles Fest auf die Beine gestellt. Ich bin allen, die dabei geholfen haben, unheimlich dankbar! Ich bin mir sicher, dass der Tag noch lange in uns allen nachwirken wird.“ 

Zum Ausklang feierte Diözesanpräses Peter Jansen einen stimmungsvollen Gottesdienst in St. Lambertus. Das Thema kam von der Kolpingjugend: „Baumeister für einen Himmel auf Erden“. Gemalte Verkehrsschilder symbolisierten: „Wir wohnen nicht in einem fertigen Haus, sondern auf einer Baustelle!“, sagte Peter Jansen. Im Kinderlied „Wer will fleißige Handwerker sehen“ stecke viel Wahres. „Die Kinder haben heute ein Auto angemalt und Brücken gebaut. Wir alle sind begabt, Architekten für das Haus Europa zu sein. Wir brauchen Baumeister für einen Himmel auf Erden!“, schloss der Diözesanpräses. Am Ende des Gottesdienstes  dankte er Katja Joussen herzlich für die Organisation dieses wunderschönen Tages und überreichte ihr einen Blumenstrauß.Text und Fotos: Kolpingwerk Diözesanverband Köln/bw

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