Familienpolitischer Abend mit Stefan Nacke: Wie wertvoll ist Sorgearbeit?

Fri Jul 06 08:00:00 CEST 2018
"Familien im Stresstest - wohin steuert die Familienpolitik in NRW?" - das war das Thema des 1. Familienpolitischen Abends des Familienbundes Kolping Köln am 26. Juni im Domforum. Referent war der CDU-Politiker Stefan Nacke. Laut einer aktuellen Bertelsmann-Studie sind Alleinerziehende und Mehrkindfamilien einem besonders hohen Armutsrisiko ausgesetzt. Hat die Landespolitik Familien- und Kinderarmut ausreichend im Blick?

„Nein, nicht ausreichend!“, sagte der CDU-Politiker Stefan Nacke. „Im Ruhrgebiet sind ganze Stadtteile abgeschmiert – da muss dringend eingegriffen werden. Aber wir müssen unterscheiden, wer welche Verantwortung wahrnimmt. Transfereinkommen, Entlastung bei den Sozialbeiträgen, Kindergeld und Kinderzuschlag – das sind bundespolitische Themen.“

Kita-Rettung und Trägervielfalt

Auf Landesebene war die Kita-Rettung im letzten Jahr die dringendste Aufgabe: Eine halbe Milliarde Euro wurde für die Kita-Finanzierung und zur Rettung der Trägervielfalt ausgegeben. „Aber Familienpolitik muss weit mehr umfassen! Familien haben die Nachhaltigkeitsaufgabe“, so Stefan Nacke.

Demografie und Fachkräftemangel

„Seit 40 Jahren erleben wir den demografischen Wandel unserer Gesellschaft. Wir reproduzieren uns nur zu zwei Dritteln. Die Folgen für die Pflege und die Finanzierung sozialer Sicherungssysteme sind gravierend: Wir haben überall Fachkräftemangel. Wir leben davon, dass es Migration gibt! Uns fehlen jedes Jahr 200.000 bis 300.000 Menschen“, sagte Stefan Nacke.

Quereinstieg erleichtern

Eltern stehen unter enormem Druck: Lange Ausbildungszeiten schieben den Start ins Berufsleben – und damit die Familiengründung – immer weiter nach hinten. „Deshalb müssen wir eine bessere Vereinbarkeit von Studium und Familie erreichen!“, forderte Stefan Nacke. „Wir brauchen flexible Betreuungssysteme. Uns fehlen Erzieherinnen und Erzieher – dafür müssen wir den Beruf attraktiver machen. Wir müssen den Quereinstieg erleichtern und während der Ausbildung ein gutes Gehalt zahlen!“

Familienarbeit anerkennen

Gleichzeitig müsse man den Menschen zeigen, dass Familienpolitik mehr ist als Eltern-Kind-Politik. „Familienpolitik ist eine Querschnittsaufgabe! Die entscheidende Frage ist: Wie bewertet eine Gesellschaft Sorgearbeit im Vergleich zur Erwerbsarbeit? Familienarbeit muss adäquat anerkannt werden. Vielleicht müssen wir über ein Erziehungsgehalt nachdenken!“

Familienpolitisches Netzwerk

In der Diskussion wurde deutlich: Der Familienbund Kolping Köln wird die Politik nicht aus ihrer Verantwortung entlassen. „Für die großen Aufgaben – Bekämpfung von Kinder-und Altersarmut, Schaffung bezahlbaren Wohnraums, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – ist es wichtig, die Akteure zusammen zu bringen. Wir wollen ein familienpolitisches Netzwerk gründen, um nachhaltig auf die Politik einzuwirken!“, sagte Leonore Overberg, die Vorsitzende des Familienbundes Kolping Köln. Stefan Nacke stimmte zu: „Familienpolitik ist das Bohren dicker Bretter. Die Verbände müssen die Themen langfristig bearbeiten – und so von außen Druck erzeugen.“

Text: Familienbund Kolping Köln/Bettina Weise

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